„Ist der Arzt als Freier Beruf am Ende?“ – Bericht von der Veranstaltung am 18.4.2018 in der Reindlschmiede

Dr. Heubisch und Hr. Haugg

Der ehem. Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch, der über 25 Jahre eine eigene Zahnarztpraxis führte, Mitglied des Vorstands der Landesärztekammer war und 8 Jahre Präsident des Verbandes Freier Berufe in Bayern e.V war, kam am Mittwoch, den 18.04.2018 um 19:30 Uhr, im Landgasthof Reindlschmiede, Reindlschmiede. 8, 83670 Bad Heilbrunn, als Referent zum FDP Kreisverband Bad Tölz – Wolfratshausen, um zum Thema „Ist der Arzt als Freier Beruf am Ende?“ vor den knapp 20 Anwesenden zu sprechen. Dabei wurde auch beleuchtet, ob es in Zukunft noch Landärzte geben wird.

Eingangs wurden von den Trends berichtet, dass der Beruf des Mediziners feminisiert wird, weil 75% der Medizinstudienanfänger weiblich sind, was unter anderem an den besseren Abiturnoten von Mädchen liegt, was beim Numerus Clausus ein klarer Vorteil ist. Des weiteren ist ein Trend zu Teilzeitbeschäftigung von Ärzten und zu mehr Kooperationspraxen zu beobachten.
Bei Ärztinnen ist die Tendenz hin zur Anstellung und Teilzeitbeschäftigung stärker als bei männlichen Ärzten, die hingegen eher nach Gemeinschaftspraxen streben.
Heute sind ca. 50% der Ärztinnen/Ärzte angestellt. Auch ist die Stelle als Landarzt weniger attraktiv, als die eines Arztes in Städten oder Ballungsräumen.

Studenten überschätzen lt. einer Umfrage von 2013 heute die Einkommenssituation von Medizinern, die lange nicht mehr so wie in der Vergangenheit ist.
Vielmehr gehen in Deutschland ausgebildete Ärzte wegen besserer Verdienstmöglichkeiten in westlichen Ländern (Schweiz, England, …) oftmals tageweise oder permanent ins Ausland. So bildet die Schweiz nur 50% ihrer Mediziner selber aus. Übrigens ist der Medizin-Studienplatz einer der teuersten Studienplätze.

Es wird erwartet, dass in Deutschland und insbesondere in Bayern wg. dem massiven Zuzug (+2 Mio. Menschen), dem demographischen Wandel und dem Trend zur Teilzeitbeschäftigung der Mediziner in den nächsten Jahren weiterhin sehr viele Mediziner nachgefragt werden.

Heute sind die Patienten besser informiert als früher und so wandelt sich der Anspruch an den Arzt in der Beratung und Prävention. Auch findet eine Kapitalisierung statt, indem Firmen / Banken in Praxen und Praxisketten investieren.
Lt. Dr. Heubisch ist eine optimale Versorgung nur über gute Arzt-Honorare möglich und an dieser Stelle muss zukünftig umgedacht werden, zumal ein Arzt eine sehr lange Ausbildungszeit hat und viel später mit dem Aufbau einer Altersversorgung beginnen kann.
Dr. Heubisch ist der Meinung, dass die „digitale Gesundheitsakte“ kommen wird, würde sie aber lieber dezentrale umgesetzt sehen, um mögliche Cyber-Angriffe weniger gravierend ausfallen zu lassen.

Dr. Heubisch prognostiziert, dass die Digitalisierung in der Medizin stark voranschreiten wird, sowie stationäre und ambulate Behandlung mehr und mehr verschmelzen werden.

Aber was kann / muss die Politik ändern bzw. wofür setzt sich die FDP, die – Zitat Dr. Heubisch – „Partei des Individualismus“, ein:
– freie Berufe fördern
– mehr Medizin-Studienplätze
– Anreize für Landarzt-Praxis-Gründungen

In der heutigen 1. Regierungserklärung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wurde leider nicht von freien Berufen, Medizin-Studienplätze und Medizinern gesprochen. Und deshalb ist es so wichtig, dass die FDP im Herbst wieder in den Bayerischen Landtag einzieht.
Ohne liberalen Akzente, ist der freie Beruf des Arztes und insbesondere der des Landarztes in Gefahr.

Sehr ähnlich verhält es sich auch mit Apothekern, die immer mehr in Forschung / Industrie oder große Apotheken satt in kleine Apotheken auf dem Land gehen. Dies gehört aber genauso zu der Infrastruktur dazu, die es zu fördern und zu erhalten gilt.

Hr. Fritz Haugg, Dr. Wolfgang Heubisch und Hr. Thomas Ranft

Unsere Landtagskandidaten: Hr. Fritz Haugg, Dr. Wolfgang Heubisch und Hr. Thomas Ranft

 


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